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Schülerworkshops zu jüdischen Unternehmen in Berlin

Vorgeschichte

Im Nachgang zur Zerstörung der Ausstellung "Verraten und Verkauft. Jüdische Unternehmen in Berlin 1933-1945" im Rahmen einer Schülerdemonstration wurde vom Ausstellungsteam der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Aktiven Museum, dem Landesarchiv Berlin und mit der Landesschülervertretung die Idee entwickelt, mit Schulklassen Archivworkshops zu organisieren.

Ziel der Workshops, die vom Innovationsfonds der Humboldt-Universität unterstützt werden, ist es, dass die Schüler entdecken, wie viele jüdische Unternehmen auch in ihrem Lebensumfeld existiert haben, wie diese nach 1933 systematisch liquidiert worden sind und was in der Folge mit den jüdischen Eigentümern geschehen ist. Dabei wird die Erkenntnis aufgegriffen, dass geographische Nähe immer auch einen stärkeren emotionalen Bezug schafft. Gleichzeitig sollte den Schülern die Möglichkeit geboten werden die Arbeitsweise eines akademischen Forschungsprojekts kennen zu lernen.

Grundlage für die Archivworkshops bietet das Forschungsvorhaben zur Geschichte kleiner und mittlerer jüdischer Gewerbeunternehmen in Berlin (1930/31-1945), in dessen Rahmen die Grunddaten von insgesamt rund 8.000 jüdischen Unternehmen in Berlin rekonstruiert und in einer Datenbank gespeichert worden sind.

Diese Datenbank erlaubt es:

Das Gros der relevanten Akten ist im Landesarchiv Berlin überliefert.

Ablauf

Die Workshops wurden bislang mit verschiedenen Berliner Oberschulen durchgeführt. Dazu wurde ein Programmablauf entwickelt, der nun einem gröfleren Kreis von Schulen angeboten werden kann:

Den Einstieg in den dreitägigen Workshop übernimmt am ersten Tag ein Mitglied des Ausstellungsteams "Verraten und Verkauft". Die Schüler erhalten eine anschauliche Einführung in den historischen Kontext (Zerstörung der jüdischen Gewerbetätigkeit, wichtige Daten und Gesetze).

Im Anschluss recherchieren sie gemeinsam die in Schulnähe ansässigen Unternehmen in der Datenbank. Am Nachmittag suchen die Schüler die Orte an denen sich jüdische Unternehmen befunden haben, selbsttätig auf, dokumentieren den jetzigen Zustand des Ortes und befragen Mieter, Hausbesitzer und Nachbarn, als mögliche Zeugen.

Am zweiten Tag beginnen die Schüler im Landesarchiv mit der Auswertungsphase.

Der Zugang zu dem Archivmaterial wird über eine einstündige Archivführung vermittelt. Auf diesem Weg lernen die Schüler:

innerhalb des Archivs kennen.

Mit diesem Einstieg wird der Grundstein für die Quellenarbeit gelegt.

Die Schüler werten die Handelsregisterakten oder Wiedergutmachungsakten aus und unterfüttern die allgemeinen Informationen des ersten Tages mit dem konkreten Schicksal eines Unternehmens und seiner Gesellschafter.

Am dritten Tag fassen die Schüler ihre Ergebnisse zusammen und präsentieren sie der schulischen Öffentlichkeit.

Ein Praxisbeispiel - die Arbeitsgemeinschaft der Anna-Siemsen-Schule, Berlin-Neukölln

Neun Schüler der 8. bis 10. Jahrgangsstufen haben das Excelsior-Lichtspielhaus in der Neuköllner Herrmannstrafle in den Mittelpunkt ihrer Forschungsarbeit gestellt. Die Entscheidung dazu fällten die Schüler, als bei einer Besichtigung der Örtlichkeiten Kontakt zu dem Hausmeister geknüpft werden konnte. Mit ihm besichtigte die Gruppe die zu Abstellräumen entfremdeten früheren Kinosäle. Dabei haben sie Hinweise auf Zeitungsannoncen bekommen, eine Fotodokumentation begonnen und auflerdem noch die Möglichkeit erhalten ein Interview zu führen.

Im Landesarchiv befassten sie sich hauptsächlich mit den Handelsregisterakten und dem historischen Adressbuch der Stadt Berlin. Anhand der beiden Quellen konnten sie eine Chronologie der Besitzverhältnisse und der Enteignungsvorgänge herausarbeiten. Des Weiteren konnten sie in der Karten- und Fotosammlung historische Dokumente ermitteln.

Die im Rahmen des Workshops zusammengetragenen Ergebnisse bildeten die Grundlage für einen Besuch im Bauaktenarchiv des Bezirksamts von Neukölln.

Die Schüler haben bewiesen, dass sie die vermittelten Grundzüge wissenschaftlicher Arbeit erfolgreich umsetzen konnten. Als Endergebnis des dreitägigen Workshops präsentierten sie ihre Ergebnisse auf zwei selbstgestalteten Infotafeln im Mittelstufenflur ihrer Schule.

Christoph Kreutzmüller, Christine Kühnl-Sager, Anne Rothschenk